Alles gesagt

Manchmal habe ich den Eindruck, es ist alles gesagt. Die sprudelnde Quelle meiner Gedanken gleicht einer Wüste. Leer. 
Alles ist gesagt, so kommt es mir dann vor. Was kann ich noch schreiben?

 

Kennt ihr Michel Lönneberger? Der smarte kleine Junge kam durch ein Hörbuch zu uns nach Hause und wir schlossen in direkt ins Herz. Die Geschichten haben Witz. Sein Unfug brachte uns zum Schmunzeln. 

Bis wir zu einer Folge kamen, in der Michel von seinen Eltern - mal wieder - in den Schuppen gesperrt wurde. Da verging mir das Lachen.

Eine mutige Rede

Astrid Lindgren sagte vor gut 40 Jahren als ihr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde: ,,Niemals Gewalt!“. 
Eine bewegende und mutige Rede.

Wie passt die Geschichte vom armen Michel im Schuppen, der sich so gut es ihm eben möglich war, mit der Situation weggesperrt zu sein, arrangierte und Holzfiguren schnitzte, mit einer Autorin zusammen, die sich öffentlich gegen Gewalt ausspricht?

 

Erstaunlicherweise passt das sehr gut, wie ich finde. Denn was tat sie? Genau, sie sprach es aus. Sie deckte es nicht zu. Sie wusste, dass es zur damaligen Zeit Realität war, so mit seinen Kindern umzugehen und baute es in ihren Geschichten ein. Sie deckte es nicht zu, sie schwieg nicht. Sie hob es an die Oberfläche und machte es damit zum Thema für die Gesellschaft.


Aussprache

Wir alle machen Fehler im Leben, auch in den Beziehungen zu unseren Kindern. Eins jedoch dürfen wir von Frau Lindgren lernen, nämlich das auszusprechen, was schief läuft! Das macht es zwar nicht ungeschehen und nimmt auch nicht den Schmerz. Und die Tränen, die waren, werden nicht ungeschehen und die, welche noch geweint werden müssen, werden wir nicht aufhalten können. 

Aber, und das ist die Mut machende Nachricht daran, wir haben nur so eine Chance, das heranwachsende Generationen, die einmal Eltern, Lehrer, Mamas, Papas, Omas und Opas sein werden, reflektieren und neue Wege gehen. 

 

Was verschwiegen wird behält seine Macht und wird im Stillen weiter geduldet oder sogar für „ok“ befunden.

Was wir tun können

Klar. Ich stimme dir zu, Gewalt in der Kindheit, ist jetzt nicht unbedingt das Topthema beim nächsten Geburtstagskaffeetrinken bei Mama oder den Großeltern. Aber es ist auch kein Thema für die vorgehaltene Hand. Kinder müssen erkenne können, wie wir uns zu diesem Thema positionieren. Was für uns “ok“ ist und was nicht. Vielleicht passt da eher der langen Waldspazierganz, bei dem man z.B. die eigenen Eltern nicht auf die Anklagebank setzt, sondern “einfach“ seine Erlebnisse, seine Sicht der Dinge schildern darf?

 

Starke Worte

Es tut mir Leid! Worte die einem Fünfjährigen genauso gut tun, wie einem der 30 oder 56 Jahre alt ist, oder? Ein ausgesprochenes: Es tut mir leid!, nimmt die Macht des Schweigens, welche die Gewalt legalisiert.

Es scheint mir als sei wohl längst noch nicht alles gesagt! Es darf sich noch viel verändern in dieser Welt, in Familien, im Leben mit unseren Kindern. Es gibt also doch noch eine Menge zu sagen. 

 

Und natürlich zu tun. Denn als natürlich oder als selbstverständlich wird unseren Kindern zuerst das erscheinen - wenn sie selbst einmal erwachsen sind -, was sie selbst als Kind erlebt haben. 
Worauf werden sie zurückgreifen, wenn sie zurückblicken? Was lag auf unserer elterlichen Küchenzeile? 

Ein Stein als Mahnung an uns selbst: Niemals Gewalt!?

 

Die erste Hürde wurde vor 40 Jahren vor großem Publikum genommen. Nein, zu Gewalt. Es gab also schon jemanden vor dir, der das Schloss löste und die Tür der Zuwendung durchschritt. 
Hin zum Kind.

 

Jetzt sind wir dran. 
Um unsere Kinder und uns selbst zu befreien.

Jetzt wird die Scham des Schweigens weggesperrt, damit wir ins Freie treten. 

Wie Michel, der letztlich, immer einen Weg nach draußen fand.

 
Eure Sabrina
VomGutenimKind😊💛