Trockenen Fußes weitergehen

Warum Tränen so wichtig sind

Sie müssen sein. 
Jede einzelne von ihnen. 
Wie eine Perlenkette aneinander gereiht. Denn Sie kommen nie allein. Tränen. 
Um zu heilen, Herzenswunden. 

Und ich? Ich sitze da am Ufer dich fest im Arm, zögere noch kurz, um dann hineinzusteigen. Unzählige Male war ich mit dir hier. Bis zu den Hüften nass. 
Im Kummersee.
Ob in der Früh oder in der Nacht. Im Sommer und im eiskalten Schnee. 
Im Herbst und auf einer aufblühenden Wiese. 
Ich halte dich! Halte aus, was du nicht halten kannst. Was raus muss.

Und frage mich immer wieder:
Wozu diese nasse regnerische Zeit? Mit schlechter Laune und Regenwolken, die dir im Gesicht schweben? Oft so scheinbar auch ohne Grund.
Wann mögen sie Enden deine Tränen?

Da kommt mir Heilung in den Sinn!
Dann nämlich, wenn du wieder heil bist.

Mit diesem Vertrauen halte ich dich  fest in der Mitte des Sees deiner Tränen im Arm und bin mir sicher, wir erreichen das Ufer zusammen und werden trockenen Fußes weitergehen. 
Denn wenn diese kullernden Diamanten nicht sichtbar werden dürften, versiegt ihr Fluss irgendwann. Etwas Kostbares ginge verloren. Und die heilsame Schönheit, die jede von ihnen hinterlässt, bleibt aus. Nur in der Tiefe deiner selbst würdest du sie weiter in dir tragen.
Jedoch nicht als Schatz, sondern als Ballast.
Dann braucht es erst wieder Zeit und ein paar mehr Wolken, die sich über das flache Land zusammen finden, bis sich das, was sich manchmal durch meine Unachtsamkeit verstecken musste, endlich abregnen kann. 

So gehe ich mit dir hindurch und warte. Mal mehr mal weniger geduldig bis der Himmel sich öffnet und die Sonne wieder mehr Kraft hat. Um Tränen zu trocknen. Doch in meinem Herzen ist es jetzt schon warm und hell. Denn als deine Mama weiß ich vom Licht hinter den Wolken und zeige es dir. Der nebelige Dunst steigt vom Gras auf und verzieht sich. Tropfen kullern die langen Grünen Stängel herab zum Boden. 

Ja, sie sind nötig. Kommen Sie noch so nass und kühl daher. 
Wir alle brauchen sie.

Um wieder zu lachen. 
Um wieder zu tanzen. 
Um wieder ausgelassen fröhlich zu sein. 

Sie sind nötig, um zu bleiben und zu sein wer du bist. 
Um zu sein, wer du werden willst. Da kommt raus, was dir wichtig ist und wofür dein Herz schlägt.

Eine Abkürzung um den Tiefen See drumherum gibt es nicht. 
Nicht für uns Große und nicht für unsere Kleinen. Doch du darfst sicher sein, einer läuft immer über dem Wasser mit. Wir zwei laufen hindurch und 
er geht mit. Oben drüber und Ja, am anderen Ufer da wartet er und 

stärkt dich erneut mit seiner Liebe. 

Und dem Vertrauen für den nächsten dunklen See. Damit du die nächste Welle mit deinem Kind nehmen kannst. Wie hoch sie auch sein mag. Und angekommen auf der anderen Seite lächelt er uns zu, der dessen Füße beim Überqueren des Sees trocken blieben. 

Denn er steht drüber.

Wir werden danach wieder frei atmen und nichts mehr wird vom Schluchzen zu hören sein. Um wieder klar nach vorne blicken zu können. 

Also kleine Tränen: Haltet euch nicht zurück! Hier dürft ihr sein. 

Hier ist Platz für einen See.

Für das Verkünden von Schmerz.
Von deinem Frust oder tiefster Freude.
Eine weitere erzählt von Trauer und viele weitere vom großen Kummer.
Über die Endlichkeit der Dinge. 
Das Ende des Spiels, das Ende des Tages und der Besuch von deiner geliebten Oma. Das erste Weihnachten ohne Opa.

Da kommt Kummer herausgespült über Menschen und Dinge, die wir gern bei uns hätten und vermissen. Den Papa beim Einkaufen, statt der Mama. Deinem süßen Kuschelbären aus dem Lieblingskinderladen und das dreckige Paar pinke Socken aus der Wäsche.

Kinder Tränen, sie rollen sich zusammen zu einem tiefen See, durch welchen sie mit uns Eltern tauchen können. Denn Kummer trägt man am Besten nicht allein. Und den Kummer der Kleinsten trocknet man am Besten mit Liebe ab und reibt sich aneinander wieder warm.

Bis zu den Knien steh ich schon drin. Und du? 
An manchmal Tage wohl bis zur Hüfte nass? Ich auch.

Lass uns einen Atmemzug zusammen nehmen, die kühle erfrischende Luft in unsere Lungen spüren während sich unser Brustkorb hebt, so wie ein Vogel seine Flügel weit ausbreiten und schon zum Starten und erneuten Abheben bereit ist.


Deine Sabrina
VomGutenimKind💛😊

Unsere Verbindung 

zum Leben

Dein Kopf neigt sich nach unten, dein Blick wandert zu deinem kleinen runden Bauch. Ein Stupser mit deinem süßen Zeigefinger auf diese runde Mulde. Dann noch einer. Du bist fasziniert, eine fast kreisrunde Vertiefung an deinem Köper zu sehen. An deinem Bauch. Ein Stück Erinnerung trägst du an dir. So wie jeder von uns. 

Dieser Nabel ist platziert wie ein Denkmal für uns oft so vergesslichen Menschen. Er erinnert an die Zeit der Verbundenheit zu unserer Mutter als wir in ihr herangewachsen sind. Ja, wir alle waren abhängig und verbunden mit etwas Größerem als uns selbst, damit wir mittels eines starken Bandes, der Nabelschnur, versorgt wurden. Durch sie erhielten wir Kraft und was sie uns gab, ließ uns wachsen.

Heute kommen wir alle ohne diese sichtbare Schnur aus. Eine hinter uns liegende, fast unsichtbare Zeit prägt uns. Und mit ihr ruht in unserem Zentrum die Weisheit darüber, warum wir Menschen sind, wie wir sind. Warum wir auch nach der Geburt Nähe, Zuwendung, Liebe und besonders diesen Jemanden brauchen, damit es uns gut geht. Sie gibt Aufschluss über unsere Antriebe und Motivationen. Warum wir so gern ausgestreckte Hände ergreifen, eine Umarmung halten, einander in die Augen schauen und wenn wir dabei von uns erzählen, auch auf eine Antwort warten. Wir suchen die Verbindung, denn wir sind es gewohnt, verbunden zu sein. 

Es wird klar, warum wir ohne Gemeinschaft nicht gut leben können. Warum Isolation, Ausgrenzung und Einsamkeit unsere Spezies so tief schmerzt.

Verbunden, das waren wir also bevor wir uns dafür entscheiden konnten. Bevor wir uns dazu entschieden hatten, auf die Bindung zu unseren Kindern ein besonderes Augenmerk zu richten, hatte Gott sich entschieden. Nämlich dafür, jedem Menschen diesen Prägepunkt durch die vorgeburtliche Zeit im Bauch mitzugeben. Er erinnert uns. 
Er entschied sich für diesen "Punkt" in unserer Mitte. Gott ließ und lässt uns als Bindungswesen heranwachsen. Ihm ist Verbundensein wichtig!

Was das alles mit dem Guten im Kind zu tun hat?

Nun, um das Gute im Kind mehr und mehr zu sehen, ist unsere Einstellung zum Nähebedürfnis unserer Kinder entscheidend. 

Es heißt: 

,,Wenn du ihm den kleinen Finger reichst, nimmt er gleich die ganze Hand!". 

Diesen Satz würde er auf ein Kind bezogen, möchte ich nicht interpretieren als bewusstes Ausnutzenwollen unserer elterlichen Kraft und Fürsorge, sondern als echtes Bedürfnis nach mehr Nähe, das gesehen werden will. Ein Bitten um Unterstützung und mehr Verbindung.  Unsere innere Haltung ist wieder einmal entscheidend für das, was wir wahrnehmen und wie wir unsere Kinder sehen. Eine abweisende Haltung dieser Sehnsucht unserer Kinder gegenüber, uns nahe sein zu wollen, erschwert unser Familienleben und richtete sich weg von dem zutiefst menschlichen Grundbedürfnis, dazugehören zu wollen und sich sicher und geliebt zu fühlen.

 

Entdecken wir hingegen, dass dieses einander Naheseinwollen, von Gott in unseren Kindern angelegt ist und somit ganz natürlich ist, können wir uns leichter öffnen und mehr Nähe zulassen, als wir sie vielleicht selbst erfahren haben. Und dieses dann ohne den Hintergedanken, wir würden unsere Kinder verwöhnen oder sie würden unselbstständig werden, wenn wir dies tun.

 

Es gibt so viele Wege, sich wieder mehr verbunden zu fühlen mit seinem Kind. Beginnen wir mit unserer Aufmerksamkeit. Konzentrieren wir uns nur auf diesen kleinen geliebten Menschen.

Was passiert? 

Schon nach kurzer Zeit - Blickkontakt

Dann ein Schmunzeln, dann ein gegenseitiges Zulächeln. 
Ich bin mir sicher, es wird nicht lange dauern, da tapsen unsere Kinder auf uns zu und sprechen damit ein ,,Ja" zu unserer Einladung aus, in Verbindung mit uns zu sein .

 

Bist du auch so fasziniert über diesen Erinnerungspunkt, so wie meine Tochter und über die Weisheit, die er mit sich bringt?

 

Neige deinen Kopf nach unten. Schau an dir hinunter. Denke nicht an Sixpack, Bauchmuskelübungen oder voll Reue an die letzte Süßkramsession. Denke an deinen Kern und an das was dich stärkt. Denke an deinen Schöpfer, der uns alle als Bindungswesen erdacht hat und uns diesen Erinnerungspunkt gesetzt hat.

Wende dich an den, der mit uns in Kontakt sein möchte.
Richte deine Aufmerksamkeit auf ihn.

Spüre Blickkontakt.

Dann ein Schmunzeln und ein gegenseitiges Zulächeln.
Und laufe so die ersten Schritte auf ihn zu.
Zu dem, der uns versorgt. Und spüre sein ,,Ja" zu dir.

Du bist lebendig durch Verbindung. Von Anfang an. 

 

In der Verbindung zu ihm ist unerschöpflich Kraft. 
Unser Leben lang und darüber hinaus. 
Danke. Fatherofcontact himself.

 

Eure Sabrina

VomGutenimKind😊💛

Alles gesagt

Manchmal habe ich den Eindruck, es ist alles gesagt. Die sprudelnde Quelle meiner Gedanken gleicht einer Wüste. Leer. 
Alles ist gesagt, so kommt es mir dann vor. Was kann ich noch schreiben?

 

Kennt ihr Michel Lönneberger? Der smarte kleine Junge kam durch ein Hörbuch zu uns nach Hause und wir schlossen in direkt ins Herz. Die Geschichten haben Witz. Sein Unfug brachte uns zum Schmunzeln. 

Bis wir zu einer Folge kamen, in der Michel von seinen Eltern - mal wieder - in den Schuppen gesperrt wurde. Da verging mir das Lachen.

Eine mutige Rede

Astrid Lindgren sagte vor gut 40 Jahren als ihr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde: ,,Niemals Gewalt!“. 
Eine bewegende und mutige Rede.

Wie passt die Geschichte vom armen Michel im Schuppen, der sich so gut es ihm eben möglich war, mit der Situation weggesperrt zu sein, arrangierte und Holzfiguren schnitzte, mit einer Autorin zusammen, die sich öffentlich gegen Gewalt ausspricht?

 

Erstaunlicherweise passt das sehr gut, wie ich finde. Denn was tat sie? Genau, sie sprach es aus. Sie deckte es nicht zu. Sie wusste, dass es zur damaligen Zeit Realität war, so mit seinen Kindern umzugehen und baute es in ihren Geschichten ein. Sie deckte es nicht zu, sie schwieg nicht. Sie hob es an die Oberfläche und machte es damit zum Thema für die Gesellschaft.


Aussprache

Wir alle machen Fehler im Leben, auch in den Beziehungen zu unseren Kindern. Eins jedoch dürfen wir von Frau Lindgren lernen, nämlich das auszusprechen, was schief läuft! Das macht es zwar nicht ungeschehen und nimmt auch nicht den Schmerz. Und die Tränen, die waren, werden nicht ungeschehen und die, welche noch geweint werden müssen, werden wir nicht aufhalten können. 

Aber, und das ist die Mut machende Nachricht daran, wir haben nur so eine Chance, das heranwachsende Generationen, die einmal Eltern, Lehrer, Mamas, Papas, Omas und Opas sein werden, reflektieren und neue Wege gehen. 

 

Was verschwiegen wird behält seine Macht und wird im Stillen weiter geduldet oder sogar für „ok“ befunden.

Was wir tun können

Klar. Ich stimme dir zu, Gewalt in der Kindheit, ist jetzt nicht unbedingt das Topthema beim nächsten Geburtstagskaffeetrinken bei Mama oder den Großeltern. Aber es ist auch kein Thema für die vorgehaltene Hand. Kinder müssen erkenne können, wie wir uns zu diesem Thema positionieren. Was für uns “ok“ ist und was nicht. Vielleicht passt da eher der langen Waldspazierganz, bei dem man z.B. die eigenen Eltern nicht auf die Anklagebank setzt, sondern “einfach“ seine Erlebnisse, seine Sicht der Dinge schildern darf?

 

Starke Worte

Es tut mir Leid! Worte die einem Fünfjährigen genauso gut tun, wie einem der 30 oder 56 Jahre alt ist, oder? Ein ausgesprochenes: Es tut mir leid!, nimmt die Macht des Schweigens, welche die Gewalt legalisiert.

Es scheint mir als sei wohl längst noch nicht alles gesagt! Es darf sich noch viel verändern in dieser Welt, in Familien, im Leben mit unseren Kindern. Es gibt also doch noch eine Menge zu sagen. 

 

Und natürlich zu tun. Denn als natürlich oder als selbstverständlich wird unseren Kindern zuerst das erscheinen - wenn sie selbst einmal erwachsen sind -, was sie selbst als Kind erlebt haben. 
Worauf werden sie zurückgreifen, wenn sie zurückblicken? Was lag auf unserer elterlichen Küchenzeile? 

Ein Stein als Mahnung an uns selbst: Niemals Gewalt!?

 

Die erste Hürde wurde vor 40 Jahren vor großem Publikum genommen. Nein, zu Gewalt. Es gab also schon jemanden vor dir, der das Schloss löste und die Tür der Zuwendung durchschritt. 
Hin zum Kind.

 

Jetzt sind wir dran. 
Um unsere Kinder und uns selbst zu befreien.

Jetzt wird die Scham des Schweigens weggesperrt, damit wir ins Freie treten. 

Wie Michel, der letztlich, immer einen Weg nach draußen fand.

 
Eure Sabrina
VomGutenimKind😊💛